Warum man Kindern Zeit lassen sollte…

„Schläft er schon durch?“ – so oft haben wir diesen Satz schon gehört und so oft haben der Mann und ich uns verschmitzt angeschaut und mit einem saloppen „Nööö“ geantwortet. Seit Geburt. Bis jetzt.

Die ersten 2 Monate hatten wir ein totales Anfänger Baby, alle 4 Stunden stillen, viel schlafen, kein Geschrei. Wundervoll. Doch dann kam eine Zeit, da konnten wir beide vor Schlafmangel kaum stehen, der Zwerg wollte teilweise alle 1-2 Stunden gestillt werden, dazu kamen Nächte in denen er 1-2 Stunden einfach wach war, geweint hat und nichts half. Wir liefen diese 4-5 Monate vermutlich wie Zombies durch die Welt. Es gab bessere und schlechtere Zeiten, aber an durchschlafen war nie zu denken. Als er 11 Monate alt war, schlief er plötzlich 4 Nächte hintereinander durch. Ich sag euch, was für eine Erholung. Ich habe bis dahin nur noch nachts gestillt und da er eh meist nur genuckelt hat, nahm ich das zum Anlass ihn abzustillen. Ich gab ihm nachts Tee oder Wasser und es genügte ihm vollkommen. Er wollte nicht mehr an die Brust, machte auch nie den Anschein als wenn er etwas vermisst.

4 Monate später wendete sich das Blatt jedoch. Der Zwerg wachte eines Nachts auf und schrie und schrie und schrie. Wir versuchten alles, aber alle Anzeichen deuteten auf Hunger hin. Er bekam ja nachts bereits schon lange keine Milch mehr. Da saßen wir also schließlich im Wohnzimmer, mit einem Baby auf dem Schoß, dass zufrieden ein Brot aß. Das ganze wiederholte sich ab da Nacht für Nacht. Nach circa 1 Stunde Geschrei ergaben wir uns und machten ihm ein Brot. Ich bin ganz ehrlich. Irgendwann ging ich am Stock. Nacht für Nacht 2-3 Stunden Schlaf einzubüsen (Versuchen Zwerg zu beruhigen, aufgeben, runtergehen, ihm ein Brot machen, Essen, wieder ins Bett legen, warten bis er Schläft…) Nach 3-4 Nächten also schlug ich vor, ihm einfach eine Milch zu machen. Gesagt. Getan. Als er in dieser Nacht aufwachte, gaben wir ihm eine Milch und nach 10 Minuten war wieder Ruhe.  So bürgerte sich die nächtliche Milch wieder ein. Er hatte ja Hunger.

Selbst in meinem Stammforum bekam ich dafür Gegenwind und kaum einer konnte verstehen, wie man bei einem 16 alten Kind noch eine Milch nachts einführen kann..aber für mich war klar: Der Zwerg hatte einfach Hunger. Wir schwankten teilweise zwischen 2-3 Flaschen pro Nacht. Mit zunehmenden Alter begann ich Studien zu betreiben, warum der Zwerg wohl nachts die Milch braucht. Ist das wirklich noch Hunger? Ich versuchte einen Zusammenhang zwischen seinem Essverhalten tagsüber und dem Milchkonsum zu schließen und ich stellte fest: Wenn er abends viel gegessen hatte, trank er mehr als wenn er nur wenig gegessen hatte. Irgendwann kam ich zu dem Entschluss, dass es mittlerweile eventuell nur Durst sein könnte. Vor etwas mehr als einer Woche setzten der Mann und ich also alles auf eine Karte. Ich erklärte dem Zwerg abends, dass du Babys nachts Milch trinken und ich vergessen hatte welche zu kaufen. Große Kinder, wie J., L. und E. aus der Kita trinken nachts „Saft“ (Zwergensprache für alles trinkbare außer Milch) und das er ja auch schon groß sei und das es heute Nacht keine Milch gäbe. Er sagte selber: „Milch. Baby. Neinei. Saft.“

Gespannt warteten der Mann und ich auf die Nacht, bewaffnet mit Tee. Der Zwerg wachte auf und trank den Tee, dabei hörte man aus seinem Bett noch so etwas wie: „Milch. Baby“ Prinzip verstanden.

Das ist jetzt ein bisschen mehr als eine Woche her. Einmal wollte er seitdem vehement nachts Milch, aber als wir ihm erklärten das er doch schon groß ist und wie stolz wir auf ihn sind, gab er sich doch mit Tee zufrieden. Hingegen allen Aussagen, dass wir ihm das nächtliche trinken nur mit Geschrei abgewöhnen werden, haben wir nach unserem Bauchgefühl gehandelt und es gab nicht eine Träne. Wir haben einfach den Zeitpunkt erkannt und diesen genutzt und es hat funktioniert.

Ich bin sowieso der Meinung, dass jedes Kind seine Zeit braucht und sich solche Dinge von alleine erledigen, man muss als Eltern nur sensibel genug sein um eben diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen.

Ähnlich handhaben wir es übrigens auch mit dem Einschlafen. Der Zwerg brauchte uns immer zum Einschlafen, in letzter Zeit reicht aber die bloße Anwesenheit, man muss ihn nicht mehr in den Schlaf streicheln oder so. Deshalb haben wir ihn gestern ähnlich wie mit der Milch erklärt, dass er schon groß ist und auch alleine einschlafen kann. Es gab nicht eine Träne und er schlief tatsächlich alleine ein. In unserem Bett. Aber das ist uns ziemlich egal, er soll lernen alleine einzuschlafen und wenn ihm unser Bett dabei hilft, dann ist das so. 😉 Ich bin schon gespannt ob es heute auch so klappt!

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