Gedankenfluss zum Thema Verbote und Wutanfälle.

Einen wundervollen Guten Abend ihr Lieben,

ich hoffe ihr hattet einen tollen Tag. Der Zwerg ist im Moment wieder krank. Ich sage euch, ich hänge durch den Urlaub eh schon in meinem Uni-Zeitplan hinterher, aber jetzt, da der Zwerg das zweite  dritte mal diesen Monat krank ist (einmal war es eine Bindehautentzündung, die Gott sei Dank Freitag begann und nach dem Wochenende vorbei war) lief ich Gefahr, langsam aber sicher den Anschluss zu verlieren. Doch der Herzmann konnte sich heute einen Tag Kind-Frei schaufeln (Danke <3) und ich heute zum Nebenjob und lernen. Jetzt hänge ich immer noch, aber es sieht ganz so aus, als wäre ich demnächst wieder voll im Plan.

Nun aber zum Grundgedanken dieses Eintrags. Das Nein-Sagen oder auch: Verbote erteilen bei Kleinkindern. In meinem Umkreis und auch im Stammforum bekomme ich immer wieder mit, wie schwer es doch ist Verbote bei Kleinkindern durchzusetzen. Hier klappt das auch nicht immer von alleine, aber dazu mehr.

Am Sonntag zum Beispiel waren wir an einem Teich in der Nähe spazieren. Vom Parkplatz ging es einen kleinen Berg hinunter um an den See zu gelangen. Dieser ist nicht asphaltiert, aber durchaus fest genug um Fahrrad, Wutsch und  Laufrad darauf zu fahren. Der Zwerg fuhr also mit seinem Wutsch neben uns her und vor uns eine Familie mit einem Kind (ich schätze es so auf 3 oder maximal 4 Jahre), dass mit seinem Laufrad versuchte diesen Berg hinunter zu fahren. Er schien noch recht unsicher und die Steigung tat ihr übriges, er gelang ins Schlingern, fiel dabei fast hin und stieg ab. Er erklärte seinen Eltern, er wollte jetzt nicht mehr mit dem Laufrad fahren. Es kam zu einer kleinen Diskussion (nicht das ich lauschen würde, aber da der Zwerg trödelte, stand ich eine Weile unweit entfernt) und der Vater bestimmte letztendlich, dass er das Laufrad zurück ins Auto bringen würde, wenn der Sohn nicht damit fahren wöllte. Das Kind war aber der Meinung, dass er eventuell wenn es wieder Gerade werden würde, doch noch fahren will. Der Vater sagte, entweder jetzt oder gar nicht und das Kind weigerte sich erneut den Berg hinab zu fahren. Es blieb ein trauriges Kind zurück und ein eingeschnappter Vater stapfte die 200m zum Auto zurück.

Der Mann und ich sahen uns beide an und fragten uns, als wir ein paar Meter weiter waren, warum musste das sein? Hätte man das Laufrad nicht eben den Berg nach unten tragen können? Der Sohn war eben einfach nur vorsichtig und wer hätte schon sagen können, ob er unten nicht doch gefahren wäre? Der Zwerg schafft auch nicht die ganze Strecke mit dem Wutsch, beziehungsweise hat er oftmals keine Lust mehr und der Mann oder ich tragen ihn dann abwechselnd (also den Wutsch). Uns stört das nicht. Er soll die Zeit und Ruhe haben sich auszuprobieren und er kann nun mal noch nicht einschätzen die lange er damit fährt. Zu dem Zwergenlaufrad wird es im übrigen für uns einen Tragegurt geben. So müssen wir das Teil nicht mit der Hand schleppen.

Es gibt so viele Beispiele bei denen ich denke, dass die Eltern einfach überreagieren. Sei es die Mutter im Schuhladen, die ihrem kleinen Sohn erzählt, er bekommt nicht die schönen teuren Schuhe, sondern die billigsten, weil er die sowieso nur kaputt läuft, wenn er die in der Kita anhat. Ergebnis: Wirklich hässliche Schuhe und ein motzendes Kind.

Genauso mit dem Thema Verbote, wenn ich manchmal höre, was andere Mütter alles verbieten, da kringeln sich mir die Fußnägel nach oben. Warum soll ein Kleinkind (und wir reden hier wirklich vom Kleinkind von 1-3) nicht mit den Händen essen dürfen? Wie soll ein Kind einschätzen, wie viel auf einen Löffel passt? Der Zwerg ist neuerdings oftmals so: Er nimmt das Essen mit einer Hand und legt es dann auf den Löffel, um den Löffel in den Mund zu stecken. Und er macht das ziemlich gut.

In unserem Haushalt darf der Zwerg ziemlich viel und es gibt recht wenig Verbote. Er weiß aber auch, dass die Verbote die existent sind, hier auch knallhart durchgesetzt werden. Gerade gestern hatten wir so einen Moment. Wir haben gerade neue Fenster bekommen und die sind noch nicht verputzt, sondern nur verschäumt. Der Zwerg steht auf seinem Stuhl am Fenster und schaut raus. Ich stehe in der Küche und koche ihm eine Hühner-Nudelsuppe. Plötzlich höre ich ein Knistern und Rascheln und denk mir nur „Was tut er da?“ . Ich drehe mich um und sehe wie er beginnt mit seinen Händen den Bauschaum ab zu knibbeln. Ich versteh ihn da ja, dass muss enorm verlockend sein. Aber das geht einfach nicht. Ich rufe also: „Zwerg. Nein. Wenn du das noch einmal machst, musst du vom Fenster weg. Ich warne dich nicht noch einmal“ Er schaut erschrocken und hört sofort auf, wenn auch widerwillig. Das ist nämlich der Vorteil, wenn es nur wenige „Neins“ gibt, sie werden oftmals anstandslos akzeptiert. Ansonsten ist hier noch die Straße ein Nein, alles was heiß ist und alles andere was gefährlich ist oder werden könnte für ihn. Ansonsten formuliere ich die Dinge, die er nicht soll bewusst anders.

Klar funktioniert das hier auch nicht immer, neulich habe ich gefühlte tausendmal „nein“ gesagt, und er musste trotzdem in Richtung Straße rennen ohne anzuhalten (und hat auch von mir einen dementsprechende Standpauke bekommen). Aber in den meisten Fällen klappt das ganz gut.

Im übrigen machte sich das hier auch in der Trotzphase bezahlt. Wenige Neins, nicht alles gleich verbieten, denn die Kleinen wollen sich nun mal ausprobieren und je öfter ein Nein kommt, desto spannender wird die ganze Sache natürlich.

Woanders kann der Zwerg sich trotzdem an viele Regeln halten und auch ich akzeptiere die jeweiligen Hausregeln. Beispielsweise darf er daheim mit seinen Woodies auf den Boden malen. Mich stört das nicht, ich wische hinterher und alles ist wieder gut. Und mittlerweile weiß er auch, dass er das nur mit den Woodies darf. Meine Eltern / Oma / Schwiegereltern hingegen wollen das nicht. Okay. Dann darf er das dort eben nicht. Oder Schränke ausräumen, ich habe alles wichtige weiter oben, die unteren Schränke darf er beliebig Ein- und Ausräumen. Woanders darf er das nicht. Ihr seht also, nur weil daheim alles ein wenig lockerer Gehandhabt wird, bedeutet das nicht, dass überall alles im Chaos versinkt. Obwohl es das hier daheim auch nicht tut, trotz seiner Freiheiten.

Ich habe ihm von Anfang an viel erklärt und viel mit Mimik und Gestik gearbeitet. Er versteht zum Beispiel mittlerweile wenn etwas heiß ist. Wenn ich sage: „Achtung heiß! Verbrenn dich nicht!“, dann wird er automatisch vorsichtig, hält inne und fast betreffende Gegenstände auch nicht an. Ähnlich mit den Autos draußen. Ich habe ihm erklärt, dass die Autos sehr schnell sind und wenn sie ihn anfahren, hat er ein großes Aua und muss zum Doktor und dort bleiben. Das hat ihn beeindruckt (er mag den Arzt nicht sonderlich :-D) und seitdem hält er brav am Straßenrand an, sobald ich sage: „Achtung. Auto“. Mir ist vollkommen klar, dass darauf noch kein Verlass ist und glaubt mir, ich bin immer auf dem Sprung ihn aufzufangen oder zu stoppen, falls es doch mal mit ihm durchgeht, aber ich finde es wichtig, Kleinkindern auch Raum zum Entfalten zu geben. Zum Austesten und man sollte Kindern auch Vertrauen schenken. Nicht endlos. Aber ein bisschen tut ihnen gut.

Ich bewundere Kinder eh. Es muss extrem anstrengend sein, sich in diese Gesellschaft einzubinden, unsere Regeln zu lernen und unseren Erwartungen zu entsprechen. Das fängt schon als Baby an, mit 3 Monaten solls man bestenfalls durchschlafen, mit 4 Monaten Brei essen. Mit 8 Monaten krabbeln und sitzen, mit 12 Monaten die ersten Schritte machen. Und dabei ist man im ersten Jahr ja größtenteils nur mit wenigen Menschen zusammen. Dann geht es in die Fremdbetreuung und plötzlich sind da noch viel mehr Erwartungen und Regeln, die das Kleinstkind befolgen soll. Das ganze Leben wird nach den Erwartungen von Älteren ausgerichtet. Neuerdings hier oft gehört: „Was? Der Zwerg ist noch nicht sauber?“ – „Ähm. Nein.“. Ich finde es so Schade, dass wir das natürliche Wesen der Kinder viel zu selten als solches Annehmen. Bis jetzt hat der Zwerg alles von alleine gemacht, wenn er soweit war. Und ich weiß auch, wenn er bereit ist windelfrei zu werden, wird er uns das schon zeigen. Alles zu seiner Zeit. Wenn schon von Außen überall Erwartungsdruck an unsere Kinder herrscht, dann sollten wir doch wenigstens daheim diesen Druck rausnehmen und ein wenig entspannter werden. Ich kenne keinen gesunden Erwachsenen, der noch bei Mama und Papa im Bett schläft, Windel trägt oder den Boden bemalt. Deshalb denke ich mir, die Zeit wird es schon richten.

Der Herzmann und ich sind bisher immer gut gefahren, mit unserem Leitsatz: „So lange es für uns und den Zwerg okay ist, ist es auch richtig“

Was wir brauchen sind mehr mutige Eltern, die ihre Kinder als wirkliche Kinder sehen und sie auch solche sein lassen. Denn Kinder sind keine  Mini-Erwachsenen-Kopie. Kinder sind kleine, eigenständige Wesen mit eigenem Charakter, eigenen Gedanken und eigenen Gefühlen und davon nämlich jeder Menge. Sie müssen lernen, diese zu kontrollieren und mit ihnen umzugehen. Wir Erwachsenen schimpfen auch vor uns hin, wenn etwas nicht klappt. Und Kleinkinder wüten und toben. Weil sie es (noch) nicht anders können.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen entspannten Abend und eine entspannte Nacht. (Dank kranken Zwerg habe ich die letzte abwechselnd mit dem Mann mit Rückenkraulen verbracht und hoffe diese Nacht auf etwas Schlaf.)

Eure Sophie

Advertisements

2 Gedanken zu “Gedankenfluss zum Thema Verbote und Wutanfälle.

  1. Steffi schreibt:

    Hallo! Ich bin durch Mommy & me auf deinen Blog aufmerksam geworden und finde ihn sehr interessant. Da dein Sohn ein bisschen älter als meiner ist, kann ich vielleicht noch was lernen. Ich werde dir mal folgen.
    Lieben Gruß, Steffi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s