Gedankenfluss: Finally – Windelfrei?!

Ich gebe ganz ehrlich zu, noch nie hat mich ein Erziehungsthema so belastet wie das Thema „windelfrei“. Ich stehe immer 100%ig hinter meinen Erziehungsentscheidungen, sei es das Schlafen, das Essen oder aber das Thema rückwärts Auto fahren. Hinter allem stehe ich total und verteidige das, wenn es Not tut auch richtig.

Und dann kam das Thema sauber werden. Schon gefühlt seit einem Jahr werde ich immer wieder gefragt: „Was?! Der Zwerg trägt noch Windel? Er geht nicht mal auf dem Topf?“ Der Zwerg wächst im tiefsten Osten auf. DDR-Mentalität hallo. Hier werden Kinder sobald sie sitzen können vor und nach dem Essen, nach dem von draußen reinkommen und vor dem Schlafen auf den Topf gesetzt. Okay, ganz so pedantisch sind hier, glaube ich, mittlerweile noch die Wenigsten, ABER so mit 2 Jahren sollten die Kinder dann schon sauber werden. Immer wenn jemand mitbekam, dass der Zwerg eben eine neue Windel brauchte kam ein entsetztes: „Waaasss??? Der Zwerg trägt noch Windel? Setz ihn doch mal auf den Topf!“ Klar, hatte ich das daheim schon mehrmals versucht und hier drüber berichtet. Um seinen 2. Geburtstag klappte die Sache auch mal ganz gut. Sommer und oftmals nacktes umherspringen im Garten sei Dank. Aber seitdem die Kleidung mehr wurde, gab es keine Chance mehr. Es waren so viele Dinge wichtiger. Ich hatte das Gefühl der Zwerg dachte oftmals: „Warum auf den Topf gehen und das Spiel unterbrechen, wenn die Windel doch den gleichen Zweck erfüllt?“ Gefühlt ständig bekam ich den Tipp: „Lass ihn ohne Windel, dann geht er von alleine. Er hat das doch im Sommer auch gekonnt.“ An einem schwachen Tag versuchte ich genau das. Was dann geschah will ich euch ersparen, aber ich sage nur er machte sein großes Geschäft in den Slip, war davon so erschrocken, dass er reintrat und eben jenes im ganzen Wohnzimmer verteilte und da wusste ich: DAS ist definitiv nicht unser Weg!!! Desweiteren bekam ich irgendwann den Tipp, die Windel wegzulassen und ihn erst alle 10 Minuten, wenn das klappt alle 15 Minuten und dann alle 30 Minuten auf den Topf zu setzen. Das ganze sollte ich dann erweitern auf 1 Stunde, 2 Stunden und dann immer alle 2 Stunden auf den Topf setzen. So wären bisher alle Kinder sauber geworden. Meine Gedanken waren dazu, dass er dann ja nicht sauber wäre, er wäre einfach darauf trainiert alle 2 Stunden auf den Topf zu gehen, egal ob er musste oder nicht. Also nicht Sinn und Zweck der Sache.

Seitdem ich schwanger bin, geriet ich noch mehr unter Druck. Ständig diese Fragen: „Willst du etwa 2 Kinder wickeln?“ Ähm ja. Natürlich. Was denn sonst? Soll ich mein Kind gegen seinen Willen auf den Topf zwingen? Ich glaube der Zwerg merkte meine Zerissenheit, denn je mehr ich Druck machte, desto weniger wollte er auf den Topf. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt seitens der Omas, Opas, Uromas, Uropas, Tanten, Onkel und einem Teil anderer Mütter. Immer wenn ich ihn bei anderen wickelte hatte ich das Gefühl ein Riesenschild mit der Aufschrift: „Rabenmutter, weil mein Kind noch nicht auf den Topf geht“ an der Stirn zu haben. Zumal der Zwerg sonst schon sehr weit für sein Alter ist und alle möglichen Dinge bereits gut beherrscht.

Dazu kam, dass der Mann plötzlich auf diesen Zug aufsprang und ebenfalls plötzlich meinte, der Zwerg sollte schnell sauber werden, immerhin würden wir im März zwei Kinder wickeln müssen. Ich dachte immer nur: „So What?! Es dreht sich maximal um 1-2 Minuten und nicht um eine Stundenlange Arbeit. Ob ich nun ein oder zwei Kinder wickel sollte mir doch egal sein!“ Also setzte ich mich an einem gemütlichen Sonntag morgen mit den Mann zusammen. Ich erklärte ihm, warum ich nicht wollte, das der Zwerg gegen seinen eigenen Willen und seine  Intention sauber wird. Gemeinsam blätterten wir in einem unserer einzigen Erziehungsratgeber, die wir besitzen und wo wir im Zweifelsfall nachlesen: „The Baby Book“ von Sears (übrigens extrem empfehlenswert in jeglicher Hinsicht, ich glaube mittlerweile gibt es auch eine deutsche Version) Und da fanden wir die Antwort, dass eben gerade bei Kindern, die schon sehr weit sind, das Sauberwerden etwas länger dauern kann. Das bestätigte genau mein Bauchgefühl. Der Zwerg hat einfach genug anderes zu lernen und so muss das Töpfchen eben warten. An diesem Tag sah auch der Mann ein, dass hier eben keine, nennen wir sie, DDR-Mentalität angebracht ist, sondern der Zwerg es irgendwann von alleine lernen wird.

Ab da war das Thema Töpfchen hier kein Thema mehr. Ich wusste, in der Kita setzen sie die Kinder regelmäßig auf den Topf und ich wusste, dort geht er gerne, weil er seine (wie wir es nennen) Topf-Buddies um sich hat 😀 Dort gab es aber auch von mir die Anweisung, wenn er nicht will, ist das vollkommen in Ordnung. Er muss nicht auf den Topf! Mit dem Mann im Rücken fühlte ich mich endlich gestärkt mich auf innerhalb der Verwandtschaft das Töpfchen-Thema durchzusetzen. Ich verteidigte unsere Einstellung, bekam negative Meinungen zurück und blieb doch bei unserer Version. Kein Topf für den Zwerg, wenn er nicht will!!!

Das ganze ist jetzt vielleicht 2 Monate her. Und seitdem fragte ich ab und an mal nach, ob der Zwerg auf das Töpfchen will und bekam jedes mal ein „Neee.“ was ich vollkommen akzeptierte. Was ich tat, war ihn öfter zu wickeln, damit er so oft wie möglich ein Trockenheitsgefühl am Po hatte. Ansonsten tat ich gar nichts mehr. Ich erwartete nicht mehr, dass er vor März sauber werden würde, es kommt er der Winter und ihn dann ständig aus dem Schneeanzug zu schälen, wäre ja nicht unbedingt vorteilhaft, wenn es nicht sein muss. (ja. Manchmal bin ich echt faul :-D)

Doch dann kam die Wende. Letzten Dienstag holte ich den Zwerg von der Kita ab und die Erzieherin sagte: „Wir müssen nochmal reden“ Ich dachte: „Oh. oh. Hat er wieder Mist gemacht?!“ *pfeif* Neuerdings ist er gerne mal ein wenig frech..Phase eben 😀 Aber nein, sie berichtete mir, ich solle mich nicht wundern, er hätte noch seine Windelhose von Früh morgens an, er wäre nämlich immer auf den Topf gegangen und hätte Mittags zwar 2 Tröpfchen beim Schlafen reingemacht, ABER er wäre so stolz gewesen, das man ihm die Windel nicht nehmen wollte. Und da kam er auch schon gerannt: „Mama. Hab noch meine Winnel von frühhh an. Hab imma auf de Topf pullat.“. Ich platze vor Stolz und freute mich ehrlich total für ihn. Daheim wechselte ich die Windel und fragte ihn, ob er mal auf den Topf wollte. Seine Antwort war typisch Zwerg: „Nei. Nur in de Kinnagarte auf de Topf gehe. Hier bitte Winnel anziehe“. Ich akzeptierte das und so lies ich ihm die Windel.

Am nächsten Tag erzählte mir die Erzieherin, sie hätte den Zwerg gefragt, ob er die Windel auslassen will, was er sofort bejahte. Einmal wäre gerade beim Hose runterziehen etwas in der Hose gelandet, aber ansonsten hätte das perfekt geklappt. Nachmittags war es aber wieder das gleiche Spiel wie am Vortag, er wollte partout seine Windel anlassen. Ich lies ihn.

Am Donnerstag war er mit mir und dem Mann daheim. Und nachdem er beim Mann nach dem Aufstehen in den Topf gepullert hatte, wollte er keine Windel. Das klappte perfekt und nur für unseren Ausflug trug er eine, obwohl die 2. davon daheim noch total trocken war (nach 3 Stunden!) und er auf den Topf ging. Ich war so unglaublich stolz. Bis er ins Bett ging war er ebenfalls Windelfrei. Ich fragte hier und da mal nach ob er müsse und es klappte immer.

Am Freitag das gleiche Spiel. Er war daheim komplett Windelfrei, allerdings gab es 2-3 Unfälle in denen er zu spät realisierte, dass er muss. Samstag forderte er wieder eine Windel ein. Er bekam sie, denn der Mann und ich waren uns sicher, das bringt nichts gegen seinen Willen.

Gestern früh wollte er wieder eine neue Windel. Er bekam sie. Und dann, eine Stunde später kam er plötzlich: „Mama. Mache Winnel ab, möchte lieba auf meine Topf“ und er war gestern den ganzen Tag daheim hier ohne Windel. Bis auf den Mittagschlaf. Der Mann und ich fragte gefühlt ständig, ob er müsse, merkten aber, wir nervten ihn, als ein: „Mama und Papa. Ich sag scho Bescheid, wenn Zwerg pullan muss.“ Und tatsächlich: er sagte regelmäßig „Muss Pullan.“ und machte nicht einmal in die Hose.

Heute ist mein Großer Zwerg wieder in der Kita und ich hoffe, dass es dort auch so klappt. Ich bin so stolz auf ihn und irgendwie glaube ich, im März muss ich vielleicht wirklich nur noch das Pünktchen wickeln. Hach.

Und der Mann und ich? Wir schauen uns an und wissen: „YEAH! Es war richtig, nach Bauchgefühl zu handeln und nicht danach was Verwandte und andere sagen!!!“

Also ihr Lieben da draußen, vertraut auf euer Bauchgefühl, denn Mamas und Papas wissen intuitiv was gut ist. Lasst euch nicht reinreden und wenn ihr selber nicht 100&ig hinter einer Sache steht, bringt das gar nix!

Damit verabschiede ich mich, mit diesem laaangen Text in einen tollen Montag.

Eure Sophie

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2 Gedanken zu “Gedankenfluss: Finally – Windelfrei?!

  1. Christin schreibt:

    Oh man, du schreibst mir aus der Seele. Unser kleiner ist gerade zwei Jahre alt geworden und von den Omas höre ich ständig „was er geht noch nicht auf den Topf und braucht noch eine Windel!?“. Sogar mein Mann hatte auf Arbeit mit einer Kollegin schon einen „Streit“ wegen der Windelsache, Sie meint wir MÜSSEN das Kind regelmäßig auf den Topf setzen, auch Nachts … Nein, beim besten Willen, definitiv nicht. Ich hoffe nur, das unser kleiner auch bald von „allein“ drauf kommt, bisher bekommen wir nämlich auch immer nur ein „nee“ auf die Frage, ob er auf Töpfchen möchte 😉 …

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