Liebeserklärung. – An meine Hebamme.

Ihr Lieben,

 

ich habe lange hin und her überlegt, ob dieses Thema hier wirklich hingehört, bin aber der Meinung, man sollte auch negative Dinge schreiben dürfen.

 

Sicherlich habt ihr mitbekommen, wie schlecht es im Moment um die Hebammen steht, denn sie zahlen extrem hohe Versicherungsbeiträge und demnächst wird es wohl gar keine Haftpflichtversicherung mehr geben, das bedeutet, die Hebammen dürfen ihren Beruf nicht mehr ausüben. Es geht dabei nicht, wie viele von uns glauben, nur um Hausgeburten, nein. Auch Klinikhebammen und Hebammen in Vor- und Nachsorge sind davon betroffen. Ich verlinke jetzt hier nicht noch einmal alles, das wurde schon zu genüge getan.

 

Es geht mir heute vielmehr um etwas, was mir persönlich extrem am Herzen liegt. Am Anfang der Schwangerschaft musste ich leider den Frauenarzt wechseln, denn mein alter ist in Rente gegangen. Ich fühlte mich in meiner neuen Praxis eher wie eine Nummer von vielen, aber fachlich schien die Ärztin recht kompetent und ich blieb dort. Heute weiß ich, ich hätte auf mein Bauchgefühl hören und nochmal wechseln sollen. Jedoch sind Frauenarzt-Termine schwer zu bekommen und ich froh, dass ich irgendwo untergekommen war.

Ich möchte jetzt hier nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber Fakt ist, dass ich mich erst nur wie eine Nummer fühlte und seit den letzten 3 Untersuchungen überhaupt nicht mehr gut aufgehoben.

 

Als ich in der 30. Woche Symphysenschmerzen hatte und kaum noch laufen konnte, rief ich bei meiner Frauenärztin an. Mir wurde dort gesagt, außer dem Beckengürtel, den sie mir schon verschrieben hatte, kann man nix machen. Am gleichen Tag rief ich meine Hebamme an, die mich abends zurückrief und mir erstmal in Ruhe erklärte, was ich alles tun kann, um das Ganze noch ein bisschen zu verbessern. Mit ihrer Hilfe bekam ich die ganze Sache soweit in den Griff, dass ich mich immerhin wieder halbwegs normal bewegen konnte. Klar, gibt es immer noch Tage an denen es mal besser und mal schlechter ist, aber insgesamt lässt es sich aushalten. Ohne die Tipps meiner Hebamme und nur mit dem Beckengürtel, würde ich jetzt vermutlich immer noch starke Probleme haben.

 

Und nicht nur in dieser Situation erwies sie sich als mein Engel in dieser Schwangerschaft. Seit der 35. Woche fühle ich mich von meiner Frauenärztin zunehmend im Stich gelassen. Nicht das ich bei ihr von der 35. bis zur 39. Woche keinen Termin hatte, denn O-ton: „Bei der Geburtsplanung in der 37. Woche würde man schon feststellen, wenn etwas nicht stimmt und in der Woche danach hat meine Praxis Urlaub“. Nein, bei letzten Termin bekam ich nur ein CTG. Es wurde kein Urin kontrolliert und kein Blutdruck gemessen. Die Ärztin sah ich genau 1 Minute im Vorzimmer, als sie meinte, ein CTG reiche aus. Trotz mehrmaligen Nachfragen meinerseits, hatte sie keine Zeit für weitere Untersuchungen. Ich ging also nach 4 Wochen langen Wartens auf den nächsten Termin, ziemlich deprimiert und verunsichert wieder heim. Immerhin habe ich eine Woche später einen Termin, bei dem „wir nochmal ein CTG machen und dann kommen sie eventuell noch zu mir rein!“. Aber jetzt wegen 2 oder 3 Untersuchungen noch zu wechseln wäre ja auch blöd.

Ich rief also am Montag direkt meine Hebamme an, besorgte mir so Urintests von DM. Den Urintest machte ich selber, Gott sei Dank alles gut. Und morgen bringt meine Hebamme zur Akupunktur ihr Blutdruckmessgerät mit und misst meinen Blutdruck. Eigentlich macht meine Hebamme keine Vorsorge und ich bin ihr mehr als dankbar, dass sie da so hilfsbereit ist.

 

Generell kann ich meine Hebamme immer anrufen, wenn etwas ist. Ich klagte ihr mein Leid, als in der Mitte der Schwangerschaft der Verdacht auf Gestose bestand. Außerdem beantwortete sie geduldig all meine Fragen zu Geburtsvorbereiteten Maßnahmen. Sie beruhigt mich, wenn ich mal Angst vor der Geburt bekomme, sie hört mir zu, wenn ich Sorgen wegen dem Zwerg habe und macht jetzt wöchentlich Akupunktur. Ich bin sehr froh, sie im Moment einmal wöchentlich zu sehen. Mich beruhigt das ungemein, denn ich kann ihr wirklich alle möglichen Fragen stellen und wenn ich mal keine habe, nutzten wir die Akupunkturzeit um ein wenig zu schnacken. Ohne sie wüsste ich bis heute nicht, ob der Kopf vom Pünktchen tief im Becken liegt, sie war diejenige, die mir den Verdacht bestätigte, dass sich das Pünktchen in der 37. Woche nochmal in BEL gedreht hatte. Sie war da, als ich deshalb deprimiert war. Außerdem tastet sie jetzt wöchentlich wie das Baby liegt (neuerdings doch recht sicher in Scheitellage) und beruhigt mich, wenn mir was komisch vorkommt.

 

Kurzum: Wenn ich meine Hebamme nicht hätte, wäre ich aufgeschmissen gewesen. Wenn es ab 2015 keine Hebammen mehr gäbe, müssten sich Frauen weiterhin mit Symphysenschmerzen rumplagen. Für jede Akupunktur müssten sie zum Arzt. Und zur Geburt wäre natürlich auch keine Hebamme anwesend, sondern nur noch Krankenschwestern und „Götter“ in weiß. Ich für mich fände diese Vorstellung mehr als schrecklich. Also schaut, ob es bei euch in der Nähe Protestläufe gibt für die Hebammen, oder aber unterschreibt die Online Petition, die hier im Internet steht und unterstütz damit die Engel, die mir und Millionen anderen Frauen Tagtäglich helfen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken!

 

Fandet bzw findet ihr eure Hebamme auch so unverzichtbar wie ich?

 

Eure Sophie

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2 Gedanken zu “Liebeserklärung. – An meine Hebamme.

  1. Frau Gurkenhals schreibt:

    Das hast du schön geschrieben und ich kann zu 100% zustimmen. Mir liegen die Hebammen auch sehr am Herzen, auch aufgrund persönlicher Erfahrungen. Ich habe die komplette Vorsorge bei meiner Hebamme gemacht, sie hat meinen Sohn auf die Welt gebracht und uns auch nach der Geburt betreut. Also ja, sie ist definitiv unverzichtbar gewesen! Hier kann man meine Story nachlesen: http://fraugurkenhals.blogspot.de/2014/02/in-was-fur-einem-land-leben-wir.html
    Auch mein nächstes Kind möchte ich nur gemeinsam mit dieser Hebamme bekommen und wenn es sie dann nicht mehr gibt, dann wäre das für mich ein Weltuntergang!
    Liebe Grüße!

    • valentinesdiary schreibt:

      Ich hätte auch gerne einen Teil der Vorsorge von der Hebamme machen lassen und sie zur Geburt mitgenommen, aber leider bietet das meine Hebamme nicht an 😦

      Aber wechseln kam für mich nicht in Frage, eben weil sie schon meine gute Seele nach der Zwergengeburt war. Aber ich kenne eine Hebamme aus dem KH recht gut und hoffe ganz ganz sehr, dass das Schicksal gnädig ist und ich sie als Geburtshebamme bekomme.

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