Mein imaginärer Freund

Gestatten: Effi. Effi ist der beste Freund meines großen Sohnes. Er ist mal 4 Jahre,  3 Jahre, mal schon 15 Jahre oder „gewachsnet“ (Erwachsen). Er kann Auto fahren, Essen kochen, Sachen reparieren und natürlich fliegen. Er ist immer da, wenn man ihn braucht und geht selbstverständlich auch arbeiten. Als Verkäufer, als Pfleger im Krankenhaus, als Taxifahrer, Notarzt, Feuerwehrmann oder auch als Müllmann. Seine Haare sind rot – nein braun – okay, neuerdings grün. Mal ist er nur knapp einen Meter wie der Zwerg, mal so groß wie ein Riese.

Ich hatte immer Angst vor dieser imaginären Freunde Zeit. Mich gruselte der Gedanke, dass mein Kind einen Freund sieht, der für mich überhaupt gar nicht greifbar ist. Ich hatte wirklich Befürchtungen, damit nicht umgehen zu können – obwohl ich sonst so locker bin. Und dann kam Effi. Ich muss sagen, mittlerweile hab ich den unsichtbaren Weggefährten des großen Jungen schon ins Herz geschlossen. Effi ist äußerst sozial. Er war als Pfleger im Krankenhaus, als meine Tante schwer krank war und  bei unserem Hund in der Hundepension, als wir nicht da waren. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gezielt der Große seine imaginären Freunde einsetzt. Effi ist hier nämlich nicht der Einzige. Es gibt noch Fobber, Ammer, Offer und noch so einige andere. Aber Effi ist der präsenteste von allen.

Was mir am Anfang noch ein wenig Angst machte, sehe ich mittlerweile als Riesen Zugewinn für den Zwerg. Er liebt seine imaginären Freunde und man merkt ihm deutlich an, wie sehr er damit Situationen verarbeitet und Gedankenspiele durchspielt. Zum Beispiel hatte der Effi mit dem Mini gemeinsam Geburtstag. Weil Effi aber schon erwachsen ist, musste er sich selbst den Kuchen backen. Effis Mama wohnt nämlich leider woanders.

Laut Forschung haben Kinder im Alter von 3-7 Jahren so einen „imaginären Weggefährten“. Er hilft ihnen ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und begleitet sie in ihrem Alltagsgeschehen. Psychologen haben erkannt, dass der Realitätssinn von Kindern mit imaginären Gefährten in den meisten Fällen nicht geschmälert ist. So ist das auch hier, der Zwerg hat noch nie verlangt, dass ich für Effi den Tisch mitdecke oder ähnliches. (obwohl auch das noch ganz normal ist) Erstaunt hat mich, dass tatsächlich etwa 2/3 der Kinder irgendwann einen imaginären Freund haben. Diese entstehen übrigens meist dort, wo Kinder viel Zeit für freies Spiel und zum entdecken haben.

Was vielen von uns Erwachsenen manchmal Sorge bereitet à la „Ist das noch normal?“, ist für unsere Kinder sogar ein Zugewinn. Kinder mit imaginären Freunden haben bessere Kommunikationsfähigkeiten und können verschiedenste Fantasien ausleben. Nicht zuletzt ist so ein imaginärer Freund auch ein Spielgefährte, Beschützer, Tröster und Verbündeter. Ja manchmal sogar auch ein Sündenbock. Hier war letzteres genau einmal der Fall, nämlich als Effi dem Mini einen Topf an den Kopf warf. Ansonsten hat der Große mehr einen Beschützer und Verbündeten. Effi ist einfach für ihn da, beschützt ihn und erlebt parallel ziemlich genau das gleiche wie er, nur eben aus anderen Blickwinkeln oder gar aus der Erwachsenenperspektive.

Wenn ihr diese Phase noch vor euch habt, kann ich euch nur sagen: Keine Angst. So skurril es manchmal klingt, eigentlich ist es auch ganz lustig. Und nicht zuletzt glauben viele von uns an Gott – den können wir auch nicht sehen. Im Grund genommen ist Gott der imaginäre Weggefährte von vielen von uns und das ist ja auch nicht gruselig.

Und an alle von euch deren Kinder keine imaginären Freunde haben – vielleicht reden sie einfach nicht drüber, oder sie haben wirklich keine. Das ist kein Nachteil und auch nicht negativ. – Ich möchte nur Eltern mit imaginären Freunden in der Familie sagen, dass ihre Kinder weder unter Realtitätsverlust noch zu viel Fantasie leiden und es alles normal und wie so vieles – nur eine Phase – ist.

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