Warum es AP Eltern meist einfacher haben

Bei uns im Hause Valentine wird AP gelebt. AP heißt Attachment Parenting oder auf deutsch „bindungsorientierte Erziehung“. Obwohl ich bei dem Wort Erziehung mittlerweile schon ein wenig stoppe, denn im klassischem Sinne „erzogen“ wird hier bei uns gar nicht.

Beide Kinder leben mit uns – auf einer Augenhöhe. Wir haben alle Bedürfnisse: die Kinder, der Mann, der Hund und natürlich auch ich. Bei uns ist kein Bedürfnis wichtiger oder unwichtiger als das andere, auch die der Kinder werden als vollwertig anerkannt. Natürlich ist mir bewusst, dass sich der Blick aufs Kind in den letzten Jahren geändert hat und heutzutage Kinder mehr und mehr als vollständige und vor allem eigenständige Lebewesen behandelt werden, trotzdem wird eben oft noch „klassisch“ erzogen.

Lange Zeit war das Ziel der Erziehung, dass Kinder einfach „gut erzogen“ waren. Heißt: Wenn der Kuchen spricht hat der Krümel zu schweigen, es wird sich benommen und Kinder haben möglichst nicht aufzufallen: Das die Eltern bestimmen war natürlich auch klar, sonst „tanzen die Bälger einem irgendwann auf der Nase rum“.

Doch was passiert eigentlich, wenn man den Kindern mehr „Macht“ überlässt? Was, wenn Kinder mitbestimmen dürfen? Verkommen sie dann zu ungezogenen Rotznasen?! – Nein, behaupte ich. Meine Kinder sind zumindest sehr sozial und wissen sich zu benehmen.

Bereits beim Zwerg lebten wir sehr Bedürfnisorientiert. Ich wusste allerdings weder den Namen noch sonst irgendetwas. Es war einfach rein intuitiv seine Bedürfnisse sofort zu stillen und ihn als vollwertigen Menschen anzusehen. Irgendwann stieß ich auf Sears und las „The Baby Book“. Ich kannte kein deutsches Pendant, aber vieles was er schrieb erschien mir sehr einleuchtend. Als es dann auf seinen ersten Geburtstag zuging, bekam ich aber immer öfter zu hören „du musst langsam aber sicher beginnen ihn zu erziehen, sonst tanzt er dir auf der Nase rum“. Besonders in einem Forum in dem ich schrieb, bekam ich viel Gegenwind. Ich versuchte manche Ratschläge halbherzig umzusetzen, aber es passte für mich einfach nicht. Es fühlte sich schlicht falsch an, ihm eine Grenze zu setzen, die für mich persönlich einfach keine war – nur weil es gesellschaftlich nicht gerne gesehen war.

Nachdem ich auf Sears gestoßen war, suchte ich auf Facebook nach Attachment Parenting Gruppen und stieß auf eine Menge Eltern, die ähnlich dachten wie ich. Ich war begeistert. Endlich gab es in schwierigen Zeiten Tips die ich als sinnvoll ansah. Ich las viel von Juul und später auch Renz-Polster, stieß auf unerzogen und begann vieles viel lockerer zu sehen.

Je mehr ich meinem großen Kind vertraute, desto einfacher wurde es. Aber es soll hier nicht darum gehen, warum AP, sondern warum es AP Eltern einfacher haben. Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass es sich AP Eltern ja schön „einfach“ machen. Ja, stimmt ja auch. Wieso denn auch nicht?! Wo steht denn das Leben mit Kindern ein dauerhafter Kampf und super-anstrengend sein muss? (Womit ich nicht absprechen will, dass Kinder nicht anstrengend sind – ich bin abends regelmäßig platt 😀 )

Hier also meine Tipps für ein stressfreieres Leben mit Kindern:

1. Stillen nach Bedarf

Ich habe beide Kinder gestillt. Mir ist bewusst, dass das leider nicht jede von uns kann oder will. Deshalb ist Fläschen geben nach Bedarf natürlich auch genauso richtig und in Ordnung.
Der Kleine wird zum Beispiel jeden Abend in den Schlaf gestillt und auh tagsüber noch ganz oft zum runterkommen.

Einschlafstillen ist die einfachste Methode überhaupt um ihn abends in kürzester Zeit zum schlafen zu bringen und außerdem eine wunderschöne Möglichkeit für mich ganz in Ruhe mit ihm zu kuscheln und den Tag Revue passieren zu lassen.

Am Tag stille ich auch noch bei Bedarf. Das kann von 1-5 mal oder auch häufiger schwanken. Ich genieße diese kleinen Auszeiten zunehmend und habe oft das Gefühl der Kleine braucht das einfach um aufregende Dinge zu verarbeiten oder eben nur mal kurz Energie zu tanken.

2. Familienbett

Oh, wie liebe ich unser Familienbett. Es gibt nichts schöneres als nachts mit den Kindern zu kuscheln. Der Kleine schläft meistens im Beistellbett, nach dem stillen aber auch immer öfter direkt an mir dran. Ich wäre ehrlich viel viel zu müde nachts um ständig aufzustehen, den Kleinen aus seinem Bett zu nehmen, mir ihn zum stillen zu holen und wieder zurück zu legen. So ziehe ich ihn oft nur an mich ran und schlafe nachdem er angedockt hat auch schon weiter.

Der Große schläft in 90% der Nächte in seinem Zimmer ein, wacht in 100% der Nächte aber in unserem Bett auf. 😀 irgendwann nachts wird er wach und kommt rüber. Ich glaube die Tage an denen er komplett in seinem Bett geschlafen hat, kann ich an einer Hand abzählen..

3. Tragen

Ich liebe es zu Tragen. Wirklich und aus tiefsten Herzen. Tragen ist mein Ding. Es gibt den Kleinen wunderbar Nähe und man kann nebenbei so viele Sachen erledigen.

Im Moment ist der Kleine zum Beispiel Mega anhänglich und ich kann kaum einen Schritt ohne ihn tun. Im Normalfall müsste der Haushalt liegen bleiben. So binde ich ihn mir einfach auf den Rücken und er ist zufrieden mit sich und der Welt. Heute schaffte ich es so sogar ein wenig zu arbeiten. Er saß auf meinem Rücken im einfachen Rucksack, Spielzeug in der Hand und ich konnte am PC Mails verschicken und diesen Blogpost vorbereiten. Außerdem kann ich ihn mir auf den Rücken schnallen oder binden und zum Beispiel gemütlich durch die Stadt bummeln. Er ist einfach immer dabei.

In seiner Elternzeit schaffte der Mann es einen Teil unseres Flurs zu renovieren – er hatte den Kleinen einfach ganz oft auf dem Rücken dabei. Er konnte in Ruhe die Tapete von der Wand lösen und der Kleine hatte seine benötigte Nähe und konnte zuschauen.

4. Schlafen nach Bedarf

Es ist total sinnlos dein Kind um 8 Uhr ins Bett zu bringen, nur weil eine Uhr das sagt. Wenn es da noch nicht müde ist, ist es noch nicht müde.

Hier hat sich es eingebürgert, dass es nach dem Sandmann um 19 Uhr ins Bett geht. Weiß ich der Große hat mittags geschlafen, kann das gut und gerne auch mal 20 Uhr sein. Aber im Normalfall bringen wir die Jungs nach dem Sandmann ins Bett und dann ist Schlafenszeit.

Wenn der Große aber noch nicht müde ist, darf er einfach noch Kassette hören und leise spielen. Leise deshalb, weil sonst der Kleine nebenan aufwacht. Bedürfnisorientiert halt. Der Kleine ist oftmals müde und will schlafen und der Große noch nicht. In solchen Situationen greifen hier ganz einfach auch bestimmte Regeln.

Tagsüber ist es auch ganz unterschiedlich. Der Große schläft schon länger im Normalfall gar nicht mehr, der Kleine wenn er müde ist. Das kann einmal oder zweimal sein. Gegen 10 / 11 / 12 oder auch erst 1 Uhr. Kommt immer darauf an, was am Tag so ansteht und wann er eben einfach müde ist. Sind wir daheim schläft er meist in der Nonomo, unterwegs aber auch gern im Auto, Tuch oder selten Kinderwagen.

5. Essenszeiten

Hier wird gegessen, wenn Hunger da ist. Meist passt das mit den Essenszeiten ganz gut überein, oft aber eben auch nicht. Der Große futtert zum Beispiel gerne gegen 17 Uhr nochmal was und dafür dann zum Abendessen nur 2-3 Bissen.

Auch Mittag ist hier recht unterschiedlich. Am Wochenende frühstücken wir gerne spät, dementsprechend gibts eben auch später Mittagessen. Feste Zeiten sind irgendwie meist nichts für uns – zumindest nicht an Tagen an denen wir frei haben. Unter der Woche hat der Große in der Kita einen geregelten Ablauf und der Kleine und ich dank Krabbelgruppe usw meist auch. Aber am Wochenende oder in den Ferien lassen wir uns gerne treiben. Durch diese Flexibilität ersparen wir uns einfach sämtliche Essensdiskussionen. Beide Kinder wissen, dass sie immer Essen bekommen. Auch wenn der Hunger erst kurz nach dem Essen kommt.

Das sind die Hauptpunkte, die mir prompt einfallen, wenn ich daran denke, warum es mit AP einfach einfacher läuft. Besonders im Babyalter ist es so ganz einfach sein Baby glücklich und zufrieden zu machen.

Oder auch: „Gestillte Bedürfnisse verschwinden irgendwann, ungestillte kommen immer wieder.“

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