Die Sache mit dem Stillen…

Stillen ist ja in unserer Gesellschaft so ein Ding. Die einen wollen und können, andere wollen und können nicht, manche wollen aber gleich gar nicht. Aber egal wie man es macht – man hat immer das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen.

Stillen ist eines der Themen bei dem es eigentlich immer heiß her geht. Ich glaube nirgends sonst fühlt man (Frau) sich so schnell beleidigt wie beim Thema stillen. Deshalb möchte ich gleich vorweg sagen – wenn du als Leserin nicht stillst bist du keineswegs schlechter als manch andere Mama! Wir geben immer und überall das Beste und tun das wozu wir in der Lage sind.

Für mich war bei beiden Kindern von Anfang an klar: ich stille. Ich machte mir weder Gedanken ob meine Milch reichen könnte noch wunde Brustwarzen und was sonst noch alles passieren kann. Der Große kam auf die Welt, ich legte ihn kurz nach dem Kaiserschnitt an, er trank – alles gut. Okay, er wollte nicht an die eine Brust und im Krankenhaus kamen keine wirklich guten Tips, also stillte ich nur mit einer Brust bis mir daheim meine Hebamme weiterhalf. Ich begann beim Großen mit 4,5 Monaten mit der normalen Beikost, ersetzte recht zügig alle Mahlzeiten und stillte nur noch nachts noch bis er circa 11,5 Monate alt war. Dann schlief er 5 Nächte am Stück durch und akzeptierte danach auch Wasser aus der Flasche. Ich war damals recht froh meinen Körper wieder für mich zu haben und es war okay für uns beide. Rückblickend denke ich, ich hätte noch eine Weile weiterstillen sollen, aber das ist nun nicht mehr zu ändern. Irgendwie dachte ich ohnehin mit einem Jahr stillen sich die Babys von alleine ab und brauchen ja auch die Nahrung nicht mehr.

Mittlerweile weiß ich – stillen ist so viel mehr als Nahrung. Stillen ist auch kuscheln, Trostspender, Energienachschub oder wahlweise auch Einschlafhilfe. Kurz: ich finde stillen ist einfach toll.

Beim Kleinen war die ganze Sache anders. Ich nahm mir vor die ersten 6 Monate vollzustillen, BLW zu machen und nebenbei noch so oft zu stillen wie er möchte. Ich stillte also 6 Monate voll und dank BLW ersetzten wir nach und nach die Mahlzeiten wie es uns passte. Ehrlich gesagt fand ich diesen Weg viiieelll entspannter als den Beikostweg beim Großen. Der Kleine aß gerne und auch recht schnell sättigende Mengen, so das wir nah und nach einzelne Stillmahlzeiten weglassen konnten.

Und so ist es bis jetzt irgendwie geblieben. Er braucht sein „dilln“ einfach noch sehr. Er isst voll mit, teilweise mehr als sein Bruder und auch alles und sehr gerne, aber ich stille nach wie vor zwischen 2-6 mal tagsüber. Die Nächte noch nicht mitgezählt: da kommen wir in guten Nächten auf 2-3 mal, in schlechten auf 5 oder 6 mal. Also ich stille mindestens 4 mal in 24 Stunden, im Durchschnitt schätze ich so um die 8 mal. Es ist nicht so das er nicht ohne Milch kann. Bin ich nicht griffbereit gehts auch wunderbar ohne, aber wehe ich bin da und wehe ich setze mich auf die Couch. Dann wird sofort zu mir gekommen und am Shirt gezupft.

In 90% der Fälle stört mich das nicht, irgendwie sind es ja auch so kleine Pausen vom Alltag, aber seit kurzem will er auch wieder in der Öffentlichkeit stillen. Wird das mit Mini – Baby noch relativ gut geduldet, erntet man mit einen Laufkind doch öfters schräge und irritierte Blicke. Und ich fühle mich damit dann auch nicht wohl. – Einerseits möchte ich gerne die Bedürfnisse des Kleinen stillen und ihm geben was er braucht, andererseits wird es mir zunehmend unangenehm immer schon nach ruhigen Ecken Ausschau zu halten für den Fall das er gestillt werden will. Ich weiß da aktuell noch keinen Rat, erkläre ich ihm was Sache ist, ernte ich Riesengebrüll und Wutanfälle. Ich setze jetzt einfach mal auf die Zeit: irgendwann wird er verstehen das Mama daheim auf der Couch gerne stillt, doch in der Öffentlichkeit nicht will.

Das ich noch stille sage ich auch gerne offen heraus und man abgesehen von komischen Blicken von fremden Leuten, die mir ja sowieso egal sein können, habe ich bis jetzt durchweg positive Reaktionen im Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis bekommen. Mir ist es nicht unangenehm zuzugeben nach einem Jahr doch noch recht häufig zu stillen. Für mich ist das einfach was ganz normales. Im Moment mag ich es, bis auf die Ausnahme in der Öffentlichkeit, einfach noch zu sehr um wirklich ernsthaft ans Abstillen zu denken. So bringe ich den Kleinen abends meistens innerhalb von Minuten zum Schlafen, kann ihn bei Schmerzen trösten, seine Akkus aufladen, spare mir nachts das Flasche machen und wenn sich das Essen verschiebt, kann ich mal eben ohne Probleme für einen Zwischensnack sorgen.

Doch ein Gedanke schleicht sich in letzter Zeit immer häufiger in meinen Kopf: „wie wird das, wenn ich mal nicht mehr stillen will??“ Ganz leise hoffe ich, das er irgendwann in diesem oder nächsten Lebensjahr keine Lust mehr hat. Aber was ist wenn das nicht eintritt? Ich weiß, dass mit dem Kita Start im Juli sicherlich einige Stillmahlzeiten tagsüber wegfallen werden, aber der Rest?! In letzter Zeit lese ich häufiger von Abstilldramen bei größeren Kindern und das macht mir in länger Hinsicht schon irgendwie Bauchschmerzen. Aber deshalb jetzt erzwungen Abstillen will ich keinesfalls.

Vielleicht mögen die Langzeitstillmamas unter euch verraten wie es bei ihnen war? (Zum kommentieren oben aufs Herzchen klicken)

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