Wozu braucht man eine Stillberatung? – Interview mit Daniela von LaFehDa

Neulich unterhielt ich mich mit einer Freundin darüber, dass viel zu wenig Mütter nicht ausreichend übers Stillen informiert sind und leider nicht alle Hebammen ausreichend Kompetenz besitzen adäquate Problemhilfe zu geben. Ich persönlich habe das Glück eine ganz großartige Hebamme gehabt zu haben. (Falls jemand aus der Region Zwickau mal eine sucht – hier entlang)

Zusätzlich zu meiner tollen Hebamme, bin ich unglaublich glücklich eine IBCLC Stillberaterin in meinem Kollegen- und Freundeskreis zu haben. Daniela berät mit LaFehDa in und um Dresden und war so lieb mir für ein paar Fragen Rede und Antwort zu stehen.

Liebe Daniela, du bist seit 2012 selbständige Stillberaterin – was unterscheidet dich denn von den ehrenamtlichen Stillberaterinnen der LLL oder AfS?

Als junge Mama einer zwei jährigen Tochter, als Krankenschwester mit jahrelanger Erfahrung im Wochenbett sowie als Trage- und Stillberaterin IBCLC verfüge ich nicht nur über einen weiten Horizont von fachlichem Wissen, sondern auch über eigene Stillerfahrungen mit Höhen und Tiefen. Die eigenen Stillerfahrungen erleichtern mir oftmals im Beratungsalltag, junge Mütter und Eltern mit ihrem Baby individuell, einfühlsam und verständnisvoll zu beraten und zu unterstützen.

Als IBCLC ist es das oberste Ziel das Stillen zu fördern und stillende Frauen auch in schwierigen Situationen wirksam zu unterstützen. Der Fokus liegt darin das Wohlbefinden und die individuelle Situation der (Still-) Beziehung zwischen Mutter und Kind zu fördern und zu unterstützen.

Viele Frauen äußern den Wunsch, ihrem Baby die bestmögliche Nahrung – ihre Muttermilch – geben zu wollen sowie ihr Baby zu stillen, auch in schwierigen Situationen. Die Erwartungen an das Gesundheitspersonal sind groß. Um diesen Erwartungen gerecht zu werden, ist eine umfassende Aus- und Weiterbildung in der Still- und Laktationsberatung sowie dem Stillmanagement nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erforderlich. Gesundheitspersonal, welches in diesem Bereich tätig ist, kommt nicht um Fort- und Weiterbildungen herum, um die junge Familie fundiert und einfühlsam in dieser sensiblen Phase nach der Geburt optimal unterstützen zu können.

Um in dem Dschungel der verschiedenen Angebote der Stillberatung den Überblick zu behalten oder zu bekommen, habe ich für Euch eine kleine Übersicht zu den verschiedenen Angeboten der Stillberatung zusammen gestellt: 

IBCLC steht für International Board Certified Lactation Consultant, das ist der international geschützte Titel für examinierte Still- und Laktationsberaterinnen. Gesundheitspersonal (Hebammen, Krankenschwestern, Ärzte, u. a.) mit der Zusatzausbildung IBCLC verfügen über praktisches und theoretisches Fachwissen auf dem neusten Stand der Wissenschaften. Auch in Sonderfällen sowie speziellen Situationen (z.B. Adoption, Mehrlinge, Krankheit, u. ä.) wissen sie Rat und können helfen.

Stillberater /-innen IBCLC arbeiten unabhängig, transparent und von keinerlei Interessen beeinflusst. Diese berufliche Zusatzqualifikation kann in einem 1 jährigen Ausbildungsprogramm als berufsbegleitende Weiterbildung erreicht werden und endet mit einem internationalen Schlussexamen. Um diesen Titel behalten zu können, wird alle 5 Jahre eine bestimmte Anzahl von Fort- und Weiterbildungen nachgewiesen und obligatorisch alle 10 Jahre das Examen absolviert (Rezertifizierung).  

IBCLC`s unterliegen einem strengen Internationalen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten sowie die sich darauf beziehenden WHA-Folgeresolutionen und sind Mitglied im Verein zur Förderung der WHO/ UNICEF-Initiative Babyfreundliches Krankenhaus.

Mehr Infos zu IBCLC Beraterinnen findet ihr hier, hier und hier.

 

StillbegleiterIn (DAIS)

Die Ausbildung zur / zum StillbegleiterIn (DAIS) richtet sich sowohl an Fachpersonal als auch an alle anderen, in deren Berufen das Stillen ein Thema ist. Ein Vorwissen ist nicht notwendig, aber von Vorteil. Das 1×1 des Stillens wird an drei Wochenenden erlernt. Die Ausbildung befähigt, Mütter auf ihrem Weg durch ihre individuelle Stillzeit zu begleiten, zu unterstützen und zu beraten. Die Ausbildung besteht aus je drei Absenz- und Präsenzphasen. Die Präsenzphasen finden an drei Wochenenden statt. Zwischen den einzelnen Ausbildungswochenenden (Präsenzphasen) sind jeweils mehrere Wochen Abstand eingeplant (Absenzphasen). Die einzelnen Kurse schließen mit einer Prüfung und mit Ender der Ausbildung mit einem Zertifikat ab. Dieses Zertifikat ist zunächst zwei Jahre gültig und verlängert sich entsprechend besuchter qualifizierter Weiterbildungen.

Mehr Infos gibt es hier.

Die AFS ist ein ehrenamtlich arbeitender, gemeinnütziger Verein zur Förderung des Stillens. Die Philosophie der AFS ist die Selbsthilfe mit ehrenamtlicher Mutter-zu-Mutter-Beratung bei offenen Stilltreffen, telefonischer Beratung vor Ort sowie über eine bundesweite Hotline. Die AFS-Stillberaterinnen sind Mütter (ohne medizinische Berufsausbildung) mit eigenen Stillerfahrungen und einer qualifizierten Aus- und Weiterbildung eigens für eigene Mitglieder entwickelt.

Mehr Infos gibt es hier. 

La Leche Liga ist eine ehrenamtliche, gemeinnützige, internationale und jedem zugängliche Organisation, die politisch und konfessionell unabhängig arbeitet. In Deutschland ist LLL als gemeinnütziger Verein in regionalen Stillgruppen organisiert. Jede LLL-Beraterin ist aktives Mitglied von LLL Deutschland e.V. und vertritt somit die Ziele und Interessen der international anerkannten Fachorganisation La Leche League International.

Die Philosophie ist es ebenfalls, allen Müttern mit Stillwunsch durch Information und Ermutigung weiterzuhelfen. Frauen erfahren persönliche, emotionale Begleitung im Stillen und Muttersein. LLL-Beraterinnen ergänzen die Betreuung durch den Arzt und anderes Gesundheitspersonal, indem sie individuell von Mutter zu Mutter beraten. Jede LLL – Beraterin weiß aus persönlicher Erfahrung, wie es ist, ein Baby zu stillen und warum Stillen so wichtig ist, auch für ein älteres Kind. Sie kann sich daher besonders gut in die Fragen von stillenden Frauen einfühlen.

Mehr Infos findet ihr hier.

Wie kamst du dazu Stillberaterin werden zu wollen?

Als ausgebildete Krankenschwester habe ich über 10 Jahre in der Schweiz in mehreren Spitälern auf dem Wochenbett gearbeitet. Gerade in der sensiblen Phase nach der Geburt braucht es ein sehr gutes Fachwissen und intuitives Gespür, um die junge Familie fundiert und individuell begleiten und beraten zu können. Schnell kam ich was das Stillen anging an meine fachlichen Grenzen. Bestärkt durch viele Arbeitskollegen und Stillberaterinnen, die Ausbildung als Still- und Laktationsberaterin IBCLC zu absolvieren, tat ich das dann 2012 auch. Das neu erworbene Wissen lies mich in vielen vorher mir schier unüberwindbaren Situationen ruhiger und gelassener werden. Auch für meine persönliche Stillerfahrung mit meiner Tochter habe ich nur profitiert bzw. tue es noch immer. So manche Unsicherheit und Schwierigkeit konnte ich somit schnell und unproblematisch lösen. Aus eigener Erfahrung kann ich jeder werdenden Mutter empfehlen, sich bereits frühzeitig in der Schwangerschaft schon über die Zeit nach der Geburt zur Ernährung ihres Kindes zu informieren und sich professionelle Unterstützung zu suchen. Zusätzlich zur Hebammenbetreuung kann eine Betreuung durch eine Still- und Laktationsberaterin während der gesamten Stillzeit sowie während dem ersten Lebensjahr des Babys sehr sinnvoll und hilfreich sein. Denn Fragen gibt es immer, welche besprochen werden wollen.

Wer kann sich bei Stillproblemen an dich wenden?

Jede Mama, welche Fragen, Anliegen oder Schwierigkeiten hat oder eine individuelle Begleitung während der Still- und Ernährungszeit ihres Babys wünscht, kann sich jederzeit an mich wenden. Während der gesamten Stillzeit können Fragen und Probleme auftreten, wie z. B. Unsicherheiten, ob auch wirklich alles so funktioniert wie es Mutter Natur vor sieht, damit sich das Baby auch optimal entwickelt, Stillen von Mehrlingen, während einer erneuten Schwangerschaft, Schwierigkeiten wie wunde Brustwarzen, Schmerzen beim Stillen, Milchstau oder eine Brustentzündung, zu wenig oder zu viel Milch, Stillschwierigkeiten mit medizinischem Hintergrund bedingt durch Erkrankungen von Mutter und / oder Kind, Einnahme von Medikamenten, Stillen und Verhütung / Erwerbstätigkeit, bevorstehende Operationen, oder einfach eine kompetente Begleitung während der gesamten Stillzeit und darüber hinaus, so lange es die junge Familie wünscht. Auch ich weiß nicht alles. Aber ich bin bestrebt mir innerhalb kürzester Zeit die nötigen Informationen zu besorgen, um kompetent weiter beraten zu können. Eine enge Netzwerkarbeit mit medizinischen Fachpersonen aus anderen Berufsgruppen ist mir sehr wichtig. Denn das ist gerade auch in der Betreuung von Mutter und Kind absolut notwendig.

Meine Aufgabe liegt darin, Mutter und Kind in ihrer Beziehung zu unterstützen und zu stärken, eine kompetente Ansprechperson für all ihre Anliegen und Fragen zu sein.

 

Gehst du zu den Müttern nach Hause oder berätst du auch telefonisch oder per Mail?

Ich berate die jungen Eltern mit ihrem Baby in ihrem gewohnten Umfeld zu Hause, natürlich auch telefonisch sowie per E-Mail. So wie es die jungen Familie wünscht. Die junge Familie kann sich somit ganz auf sich konzentrieren und ich kann sie ganz individuell mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in ihrem Zuhause unterstützen und beraten. Unnötiger Stress wie Anfahrtswege und Fahrten mit dem Auto oder dem öffentlichen Verkehr, Taschen packen, etc. bleibt ihnen erspart. Denn jeder zusätzliche Stress kann sich zusätzlich auf die Still- und Mutter-Kind-Beziehung auswirken.

Super weit verbreitet ist ja die Angst vor zu wenig Milch – Kann jede Mutter stillen, wenn sie das möchte?

Fast alle Frauen können ihr Kind stillen. Im Schnitt sind 97  bis 98 % aller Frauen weltweit fähig zu stillen. Nur in Ausnahmefällen ist das Stillen nicht oder nur eingeschränkt möglich. Große und kleine Stillhindernisse oder Unsicherheiten können meist schnell gelöst werden. Entscheidend ist natürlich auch, ob eine Mutter ihr Baby stillen möchte. Denn die Psyche hat einen erheblichen Einfluss auf die Milchbildung und den Milchfluss, was allerdings nicht garantiert, dass das Stillen dann auch 100%ig funktioniert. Viele, auch kleine Faktoren spielen da eine Rolle.

Mit welchen Ängsten frischer Mütter wirst du am häufigsten konfrontiert?

Die häufigsten Fragen oder Befürchtungen ja sogar Ängste werden von den jungen Müttern geäußert, ob sie genug Muttermilch bilden können und ob ihr Kind satt wird. Viele junge Mütter sind sich unsicher, ob denn auch alles so funktioniert wie es denn Mutter Natur und die Richtlinien der Kindesentwicklung vorsehen. Unter den Top 10 der Frageliste sind die Trinkmengen und Stillhäufigkeiten, Babyernährung mit Ersatznahrung, Ausscheidung von Urin und Stuhl mit Häufigkeit, Farbe und Konsistenz, Gewichtsverlauf, Schmerzen beim Stillen, wie kleide ich mein Kind richtig an, damit es sich wohl fühlt und Beikost. Das sind so die häufigsten Fragen, da könnte ich sicherlich noch ein paar weitere Punkte aufzählen.

Zum Schluss würde ich gerne noch wissen – Was rätst du Erst-stillenden für ihren Stillstart?

Auch aus persönlicher Erfahrung kann ich jeder werdenden Mutter empfehlen, sich bereits während der (Früh-) Schwangerschaft, sich über die Zeit nach der Geburt zur Ernährung des Babys – dem Stillen und die Babyernährung – z. B. im Geburtsvorbereitungs-, Stillvorbereitungskurs zu informieren und sich bei evtl. bei zu erwartenden Schwierigkeiten professionelle Unterstützung zu suchen.

Denn: „Gut informiert, ist halb gewonnen!“

Aus persönlicher wie aus beruflicher Erfahrung kann man von dem neu erworbene Wissen nur profitieren. So manche Unsicherheiten und Schwierigkeiten erscheinen einem leichter und können somit schnell und unproblematisch gelöst werden. Zusätzlich zur Hebammenbetreuung kann eine Betreuung durch eine Still- und Laktationsberaterin während der gesamten Stillzeit sowie während dem ersten Lebensjahr des Babys sehr sinnvoll und hilfreich sein. Denn Fragen gibt es immer, welche besprochen werden wollen.

„Stillberatung ist so vielfältig und erstreckt sich wie ein Netz in viele andere Fachbereiche über. Stillberatung ist nicht nur Stillberatung, sondern auch Bindungsberatung.“

Ich hoffe euch hat dieser ganz andere Aspekt auf diesem Blog gefallen. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, darf Daniela gerne kontaktieren. Ihr findet die Homepage zu LaFehDa hier. 

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